In diesem Beitrag wirst du etwas über das Bedrucken von Aluminium erfahren, polierende Butler werden darin vorkommen und die seltsame Vorliebe von Engländern für gebrauchtes Tafelsilber. Und vor allem wirst du danach verstehen, wie das alles zusammenhängt.

In unserem Sortiment (uns = www.international-graphics.com) haben wir schon eine Materialsorte, auf die ich heute einmal etwas genauer eingehen möchte: Alu-Dibond Butler-Finish. Ich versuche euch zu erklären was das ist, was man damit macht, wie das aussieht und was man dabei beachten sollte. Ach ja, und was die verdammten Butler damit zu tun haben.

OK, fangen wir einmal bei den Materialeigenschaften an. Alu-Dibond ist ein moderner Verbundwerkstoff, der NICHT aus der Raumfahrt stammt und auch NICHT in der Flugzeugindustrie größere Verwendung findet. Ursprünglich wurde er entwickelt als Fassadenplatte, d.h. die Tafeln wurden auf das alte Gemäuer 'geschraubt' und aus der alten Metzgerei war in kürzester Zeit eine stylische Bankfiliale geworden. Durch den mehrschichtigen Aufbau (Sandwich-Bauweise)  ist das Material gegenüber Aluminium Vollmaterial günstiger, leichter und form-stabiler. Eine handelsübliche 3mm-Platte (ok, es gibt unterschiedliche Stärken) besteht aus einer 0,3 mm starken Aluminium-Deckschicht, dem 1,4 mm starken Kern aus Polyethylene und einer weiteren 0,3 mm Aluminium-Schicht. Sie wiegt ca. 3,8 Kilo pro Quadratmeter, ist temperaturbeständig von -50 bis +80° C, wasserfest und UV-beständig. 'We Are The World' von Patrice Murciano (IG 8983-POD)
Dibond DigitalZur Weiterverarbeitung nutzen wir die drei gängigsten Varianten: Dibond Digital in Weiß, Dibond Brushed und Dibond FR mit einem mineralischen Kern (Baustoffklasse B1 nach DIN 4102-1).

in der Farbe Weiß hat eine spezielle Lackschicht und eine besonders plane Oberfläche. Damit kann das Material hochauflösend bedruckt werden. Die reinweiße Oberfläche betont die Farben und lässt diese quasi leuchten. Dibond brushed hat keine weiße Lackschicht. Statt dessen wurde die Metalloberfläche in einem Spezialverfahren gewalzt. Dadurch entsteht der Anschein einer gebürsteten (eben ‚brushed‘) Optik. Diese Oberfläche wird oft auch mit dem Begriff ‚Butlerfinish‘ beworben, dazu aber später mehr. Puh, jetzt haben wir aber erst einmal genug technische Daten. 

So, und was macht man mit diesem Dibond? Klar doch, bedrucken. Dibond Digital weiß wurde vor allem für Werbetafeln benutzt, oder noch besser, Kunst in Außenbereichen, wo sie den Witterungsbedingungen voll ausgesetzt ist. Die gebürstete Optik hat aber noch einen anderen Effekt und sorgt damit für so manches „WOW!“'Globalidad' von Carole Bécam (IG 6566-POD). Beim Druck auf Dibond brushed werden alle Weiß-Anteile des Bildes gelöscht, also auf ‚unsichtbar‘ geschaltet. Anstatt des Weiß erscheint nun, da unbedruckt, die gebürstete metallen schimmernde Oberfläche der Aluminium Tafel durch das Bild und gibt ihm einen zusätzlichen, sehr edlen Schimmer. Die restlichen Farben erscheinen zwar dunkler und dumpfer, aber vor allem bei technisch anmutenden Motiven, Schwarz-Weiß-Fotografien oder Abstrakten bringt diese Technik das Motiv noch mehr zur Geltung.  

Den ‚Bürsten-Effekt‘ bei Dibond brushed sollte man bei Bestellungen aber nicht vergessen. Der sogenannte ‚Strich‘ der Bürstung verläuft auf der Platte immer in eine Richtung. Um zu vermeiden, dass du ein Bild mit horizontalem und eines mit vertikalem Verlauf bekommst, werden alle Brushed-Bilder bei uns quer gedruckt, d.h. der Strich läuft immer horizontal. Sollte das einmal unmöglich sein (wegen der von dir gewählten Größe), dann machen wir dich ausdrücklich darauf aufmerksam.

Kommen wir jetzt zum Butler. Was hat eigentlich dieser langsam aussterbende Berufszweig mit dem Ganzen zu tun? Haben wir tatsächlich hunderte rechtlose Butler in unseren Kellern versteckt, ewig dazu gezwungen Tag und Nacht unsere Alu-Tafeln zu polieren?  Nein. Aus Kostengründen haben wir darauf verzichtet.

Behältnisse aus Silber für den geschmückten Tisch / die Tafel war bereits in griechischer und römischer Zeit in Gebrauch. Sie dienten dem Adel und den Würdenträgern zur Repräsentation und zeigten dem gewöhnlichen Volk den Reichtum seines Besitzers und dessen gehobenen Stand. Im Mittelalter wurde Tafelsilber als Merkmal für gehobene Tischkultur angesehen und demonstrierte nebenbei auch adlige Pracht.  Das Reinigen des Silbers war ‚ausgewählten‘ Sklaven, später vertrauensvollem Küchenpersonal überlassen. Ab dem 18./19. Jahrhundert galt das Reinigen und Instandhalten des Tafelsilbers dann als Recht und Privileg des Butlers. Der edle Schimmer der, sagen wir es ehrlich, polierten Gebrauchsspuren war Beweis genug für die werten Gäste, das man zum einen das Geld hatte, Tafelsilber zu besitzen und zum anderen auch das Personal für dessen Reinigung finanzieren konnte. Tja. Und solches Tafelsilber mit Politurspuren bezeichnet man im Englischen als „Butler-Finished“.

Fun-Fact am Rande: Wenn du noch altes Tafelsilber hast, kannst du das ‚auffrischen‘ (sprich: polieren), ‚überholen‘ (also bürsten, schwabbeln (das heißt wirklich so) und nachversilbern; Kratzer und so bleiben aber sichtbar) oder ‚neuwertig auffrischen‘ lassen (Einmal quer durch die Silber-Werkstatt). Und: In England ist man teils so traditionell, das man Fabrik-neues Silber schon im Butler-Finish (also auf antik getuned) kaufen kann. Warum die Engländer so was möchten ist aber jetzt eine ganz andere Geschichte. 

Habe ich Dich mit diesem Thema ‚angefixt‘? Willst du mehr darüber wissen? Dies sind unsere Quellen und hier kannst du Dich weiter informieren:


Wikipedia: Dibond 
https://de.wikipedia.org/wiki/Dibond

Die Welt: Die Renaissance der Silberschmiede
https://www.welt.de/print-welt/article385225/Die-Renaissance-der-Silberschmiede.html

www.ig-team.de: Das Wissen und die Erfahrung unserer gesamten Mannschaft. Danke!

IG-Team.de: Das Themen-Bild zu diesem Artikel ist:
Rückseite eines 70/70er Alu Digital Weiß - Bildes mit Aufhängung

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